0

Die Deutschen sind Weltmeister im Kaffeetrinken. Aber was bewirkt Kaffee im Körper aus Sicht der chinesischen Medizin? Diese Frage beantwortet der TCM-Therapeut und Dozent an der August-Brodde-Schule, Helmut Magel, heute auf meinem Blog. Ich freue mich sehr darüber, denn damit beginnen wir  eine Kooperation. Regelmäßig werde ich Texte und Videos mit dem Portal für chinesische Medizin  Der Gelbe Kaiser austauschen, das er mitgegründet hat.

Kaffee ist kein Durstlöscher, da der bittere Geschmack trocknend wirkt. Damit hilft er, Flüssigkeitsansammlungen der Mitte (Verdauungssystem)  entgegen zu wirken. Eine geringe Menge Zucker lässt den Kaffee sehr schnell süß werden, was bei anderen bitteren Heilkräutern nicht der Fall ist. Das lässt den Schluss zu, dass Kaffee auch eine süße Geschmackskomponente besitzt.

Die warme Energie des Kaffees lässt die Energie nach oben steigen. Dadurch wird trübes Yin, das die Konzentration beeinträchtigt oder Kopfschmerzen verursacht, durch das klare Yang verdrängt. Auch hier wird die Arbeit des Funktionskreises Milz unterstützt, das Klare nach oben zu heben und so das gerichtete Denken zu unterstützen. Koffein stimuliert bereits nach 20 bis 30 Minuten das Zentralnervensystem, erhöht die Wachheit und verringert die Schläfrigkeit. Außerdem steigert es die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit, in dem die Reizverarbeitung beschleunigt wird.

Milch im Kaffee mildert den bitteren Geschmack und schützt zugleich den Magen, der nach Befeuchtung verlangt. In Maßen getrunken wird durch die Milch im Kaffee kein Schleim produziert, sondern ganz im Gegenteil die Milz (süßer Geschmack) sowie der Magen gestärkt und geschont (befeuchtende und kühlende Wirkung).

Menschen mit empfindlichem Magen können Probleme mit Kaffee bekommen. Bei Verdauungsschwäche und Appetitverlust stärkt der bittere Geschmack jedoch die Magen-Funktion, deren physiologische Energie-Richtung nach unten auf den Darm gerichtet ist. Kaffee, das wäre der Espresso nach dem Essen, hilft, den Nahrungsbrei nach unten abzusenken. Er unterstützt den Verdauungsprozess und fördert die Gallenausschüttung.

Die frisch geerntete Kaffeebohne ist  grün. Das entspricht dem Holz-Element. Dazu passt, dass Kaffee eingezwängtes Leber-Qi löst und so ein Gefühl starker mentaler und körperlicher Vitalität erzeugt. Daneben reinigt Kaffee die Gallenblase und schützt vor Gallensteinen.

Die Kaffeekirschen haben eine rote Farbe und können dem Feuer zugeordnet werden. Das Rote umhüllt die Kaffeebohne. Zur Wandlungsphase Feuer gehören das Herz und der Geist (Shen). Kaffee öffnet die Sinnesorgane, wirkt stimulierend und fokussierend auf die mentale Aktivität.

Die trocknenden Eigenschaften des bitteren Geschmacks sowie die belebende Wirkung des Coffeins sind jedoch bei Yin- oder Blut-Mangel nicht förderlich. Yin-Mangel ist häufig mit Leere-Hitze verbunden und eine Form der Überfunktion, die Coffein noch erhöhen würde. Gastrointestinale Beschwerden, die zum Beispiel mit gereizten Schleimhäuten oder Yin-Mangel zusammen hängen, können durch Kaffee verschlimmert werden. Bei bestimmten Formen des Bluthochdrucks und Schlafstörungen ist vom Kaffee-Genuss ebenfalls abzuraten, da Kaffee das Zentralnervensystem stimuliert.

In der Chinesischen Medizin werden Heilkräuter in Form von Samen oder Bohnen meist in einer Dosis von sechs bis 18 Gramm pro Tag verabreicht. Eine normal große Tasse Kaffee enthält etwa sechs bis neun Gramm gemahlene Bohnen. Trinkt man nicht mehr als höchstens zwei bis drei Tassen davon am Tag, gehört diese Menge noch in den zumutbaren Bereich. Für diese Menge gelten die hier genannten positiven Wirkungen des Kaffees. Mehr sollte man nicht trinken.

 

Bild: ©  Grecaud Paul / Fotolia.de

Leave a Reply

You must be Logged in to post comment.