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Grüner Tee gilt als gesund. Im Berliner Max-Delbrück-Centrum gab es kürzlich eine Tagung, auf der Wissenschaftler hundert klinische Studien zu dem Thema diskutierten. „Die dabei eingesetzten Präparate sind nicht standardisiert. Es gibt Teeaufgüsse und Kapseln, die unterschiedliche Konzentrationen von EGCG enthalten und zum Teil mit Zusatzstoffen, wie etwa Koffein, angereichert sind“, sagte der Neurologe Prof. Friedemann Paul auf der Konferenz. „Das erschwert eine Bewertung der Ergebnisse. So gibt es keine klaren Aussagen über die Bioverfügbarkeit der Substanz und auch keine klaren Aussagen darüber, wie viel von der Substanz gegeben werden muss, um eine positive Wirkung zu erzielen.“ Außerdem sei die Finanzierung von Studien mit EGCG schwierig, da die Substanz für die pharmazeutische Industrie in der Regel nicht von Interesse sei und öffentliche Förderung für erste Pilotstudien in der Regel nicht zur Verfügung stehe.

Ich glaube, dass der Wissenschaftler noch einen anderen wichtigen Punkt übersieht. Jedes Lebensmittel und jeder Tee haben eine spezifische medizinische Wirkung. Auch in der chinesischen Medizin (CM) hat Grüntee positive Eigenschaften auf den Organismus: Er wirkt entgiftend und kühlend. Er leitet so genannte Hitze-Toxine aus. Sie entstehen nach CM-Sicht unter anderem durch das Essen von viel Fleisch und Fettigem, aber auch durch Alkohol und Tabak. Daher hilft grüner Tee der Verdauung nach schweren Mahlzeiten wie zu den Feiertagen. Bei einem Kater nach einem feucht-fröhlichen Abend ist grüner Tee eine gute Wahl. Er leitet die Hitze vor allem aus dem Kopf aus. Darum macht er auch fit im Kopf und erhöht die Konzentration.

Für sehr schlanke oder kälteempfindliche Menschen ist grüner Tee jedoch nicht die erste Wahl. Er wirkt ausleitend und kühlt den Körper ab, selbst wenn er heiß getrunken wird. Ebenfalls nicht empfehlenswert ist er bei Schlafstörungen, Magenstechen und Verstopfung.

Auch beim Grüntee gilt also das Prinzip, dass es keine allgemeinen Ernährungsempfehlungen geben kann. Darum können klinische Studien nur sehr schwer zu aussagekräftigen Ergebnissen kommen. Dazu bedarf es einer anderen Studienarchitektur.

Fotoquelle: © KMNPhoto // Fotolia.com

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