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Der islamisch geprägte Binnenstaat in Zentralasien weiß zu überraschen. Vor allem mit bemerkenswerter Architektur, gastfreundlichen Menschen und mit viel Offenheit.

Muss denn alles in Italien und Sizilien, im Orient geschehen? Sind denn Neapel, Palermo und Smyrna die einzigen Orte, wo etwas Interessantes vorgehen kann? Mag man doch den Schauplatz der Feenmärchen nach Samarkand und Ormus versetzen, um unsere Einbildungskraft zu verwirren.« Was Goethe schon am Herzen lag, ist heute gut zu meistern. Usbekistan rückt in den Fokus westlicher Reisender, obwohl Länder mit der Endung »istan« es zurzeit nicht einfach haben. Auch wenn Goethe natürlich selbst nie in Samarkand war, kannte er doch die Mythen und Legenden, die noch immer unsere Fantasie beflügeln. Heute ist Usbekistan als säkularer, moderat islamisch
geprägter Staat auf dem Sprung in eine neue, moderne Welt. Das junge Usbekistan ist bereit für dieses Zusammentreffen und lernt schon mal fleißig westliche Fremdsprachen.

Land der vielseitigen Architektur

Taschkent, die umtriebige Hauptstadt, glänzt mit dem Ruf, ein sozialistisches Architekturmuseum und die schönste Plattenbaustadt der Welt zu sein. Am 26. April 1966, 5:23 Uhr Ortszeit, blieb dort die Turmuhr am »Platz der Revolution« stehen. Ein Beben der Stärke 8 hatte die Revolutionsuhr außer Gang gesetzt und rund 36.000 Häuser zerstört. Nach etwa 1000 weiteren Erdstößen waren mehr als 300.000 Menschen obdachlos. Mit einem gigantischen Wiederaufbauprogramm wurde eine moderne sozialistische idealtypische Stadt konzipiert, deren liebenswerten Charme man erst auf den zweiten Blick erschließen mag. Im Gegenspiel dazu locken die legendären Städte der Seidenstraße mit Märchenpracht. Macht, Überfluss und die besten Künstler und Architekten waren für den heute zum Nationalhelden geadelten, despotischen Herrscher Timur gerade gut genug, um Samarkand, seine Hauptstadt, zu krönen. Der von drei imposanten Medressen dominierte Registan-Platz in Samarkand ist mehr als ein Kulturdenkmal oder Weltwunder – er ist die perfekte Vollendung islamischer Architektur. Und Buchara gilt mit dem ältesten islamischen Bauwerk Zentralasiens,
dem 1100 Jahre alten Samaniden-Mausoleum, und den Medressen und Karawansereien als ein absoluter Höhepunkt. Das Poi-Kalon-Ensemble mit dem wuchtigen Minarett steht dem Registan-Platz in Samarkand nur wenig nach. Chiva, die einzigartige Wüstenstadt im Süden des Landes, liegt 1000 Kilometer westlich von Taschkent. Die Stadt glänzt durch atemraubende Lehmarchitektur. Wenn abends der Himmel über der Wüste dämmert und die wenigen Lichter der Altstadt leuchten, ist der Zauber von 1001 Nacht perfekt. Chiva ist eine trutzige Wüstenfestung, die vielen Angriffen standhielt. Selbst zu schlimmsten Sowjetzeiten, in denen man wenig Sympathie für die islamische Welt kannte, war die heute zum Hotel umfunktionierte Medressa Mir-i-Araba als einzige islamische Hochschule des Landes geöffnet…

Pilaw- König der usbekischen Küche

Die Usbeken sind sehr gastfreundlich und lebensfreudig. Sie freuen sich über jeden Besuch, nicht nur, um die Gäste mit einem Festmahl zu bewirten, so wie es ihre Vorahnen zubereitet hatten und wie es schon immer Tradition ist. Usbekische Gerichte sind vom Orient geprägt, sehr abwechslungsreich und sehr bekömmlich. Die usbekische Küche war immer schon bereit für einen Austausch und ein Zusammenwirken mit anderen Kulturen und Völkern. Im Laufe vieler Jahrhunderte verfeinerte sich die Kochkunst dank der Seidenstraße, durch die Verschmelzung von Traditionen und Kulturen. Heute gibt es in der usbekischen Küche mehr als tausende Gerichte. Nationale Rezepte werden von Generationen zu Generationen weitergeleitet.

Der Pilaw gilt als beliebtestes und üppigstes Gericht usbekischer Küche. Seine wichtigsten Zutaten sind Fleisch, Zwiebeln, Karotten und Reis, abgeschmeckt mit Rosinen, Berberitzen, Erbsen und einigen Früchten. Männer in Usbekistan erzählen gerne und stolz von ihrer eigenen Kunst, einen köstlichen Pilaw zuzubereiten. Traditionell wird der Pilaw meist von Männern gekocht wird. Und man sagt, dass der usbekische Pilaw über mehr als 1000 Variationen und Zubereitungsmethoden verfügt. Der Oschpaz (Küchenchef) bereitet Pilaw häufig am offenen Feuer in einem riesigen Kessel zu. An Feiertagen oder anlässlich der Hausfeste, z. B. in einer Hochzeit können bis zu 1000 Gäste mit Pilaw bewirtet werden. Für die gelungene Zubereitung so eines gigantischen, manchmal mehr als 100 Kilo schweren Nationalgerichtes braucht man langjährige Erfahrung. Und eine großen Topf!

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